Zertifizierung und Zulassung

In unseren Artikelbeschreibungen finden Sie Angaben wie DVGW, WRAS, KTW oder Schallschutz Gruppe I. Diese Kürzel stehen für sehr unterschiedliche Dinge – manche sind für eine Installation in Deutschland maßgeblich, andere sind reine Zusatzinformation aus den Herstellerunterlagen. Auf dieser Seite erklären wir, was hinter jeder Angabe steckt und was sie für Sie praktisch bedeutet.

Wichtig zur Einordnung: Wir geben Zertifizierungen ausschließlich dann an, wenn sie in den Unterlagen des jeweiligen Herstellers ausgewiesen sind. Wir führen selbst keine Prüfungen durch und stellen keine Zertifikate aus. Maßgeblich ist immer das aktuelle Herstellerdokument zum konkreten Produkt.

Die Angaben im Überblick

Angabe Was ist das? Gilt für Geprüft wird
DVGW Produktzertifizierung einer Zertifizierungsstelle Deutschland Funktion, Werkstoffhygiene, Geräusch, Fertigungsüberwachung
Schallschutz / P-IX Allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis Deutschland (Baurecht) Armaturengeräuschpegel
KTW Bewertungsgrundlage des Umweltbundesamtes – kein Prüfzeichen Deutschland Nur Hygiene organischer Werkstoffe
WRAS Britisches Approval Großbritannien Werkstoffhygiene und Regelkonformität nach Regulation 4
SVGW Schweizerische Produktzertifizierung Schweiz Funktion und Hygiene
 

DVGW – die Zertifizierung, auf die es in Deutschland ankommt

Der DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e. V.) ist das technisch-wissenschaftliche Regelwerkshaus der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft. Die Produktzertifizierung selbst erfolgt durch die DVGW CERT GmbH. Ein DVGW-Zertifikat ist keine behördliche Zulassung, sondern die Bestätigung einer akkreditierten Zertifizierungsstelle.

Geprüft wird bei Trinkwasserarmaturen typischerweise:

  • die Funktion und Dichtheit nach der jeweiligen Produktnorm – bei Druckminderern ist das DIN EN 1567 (Druckminderer und Kombinations-Druckminderer für Wasser),
  • die hygienische Eignung der wasserberührten Werkstoffe nach den Bewertungsgrundlagen des Umweltbundesamtes,
  • das Geräuschverhalten,
  • die laufende Überwachung der Fertigung – das Zertifikat gilt nicht für ein Einzelstück, sondern für die überwachte Serienproduktion.

Warum das praktisch relevant ist: Nach § 12 Absatz 4 der Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Wasser (AVBWasserV) dürfen in einer Trinkwasser-Installation nur Materialien und Geräte verwendet werden, die den anerkannten Regeln der Technik entsprechen. Das Zeichen einer anerkannten Prüfstelle gilt dabei als Nachweis, dass diese Voraussetzung erfüllt ist. Für den ausführenden Installationsbetrieb ist die DVGW-Zertifizierung deshalb der einfachste und übliche Weg, diesen Nachweis zu führen.

Selbst nachprüfen: Die DVGW CERT GmbH führt ein öffentliches Zertifikatsverzeichnis. Dort können Sie zu Hersteller, Produkt oder Registriernummer nachsehen, ob und bis wann ein Zertifikat gültig ist – unabhängig von jeder Händlerangabe.

„Zulassung“, „geprüft“ oder „zertifiziert“ – wo ist der Unterschied?

In Herstellerunterlagen, Datenblättern und Shop-Beschreibungen begegnen Ihnen alle drei Begriffe – oft für ein und dieselbe Sache. Es gibt kein zweites, abweichendes DVGW-Verfahren hinter einer der Formulierungen. Der Unterschied ist sprachlich, nicht sachlich:

DVGW-zertifiziert Fachlich korrekte Bezeichnung. Es liegt ein Zertifikat der DVGW CERT GmbH mit Registriernummer vor.
DVGW-geprüft In der Branche übliche Kurzform. Meint dasselbe, benennt aber nur die Prüfung – nicht die laufende Fertigungsüberwachung, die ebenfalls dazugehört.
DVGW-Zulassung Verbreitet, aber streng genommen unzutreffend. Zulassungen erteilen Behörden. Die DVGW CERT GmbH ist eine private, akkreditierte Zertifizierungsstelle.

Wir übernehmen in unseren Artikelbeschreibungen den Wortlaut aus den Unterlagen des jeweiligen Herstellers – auch dann, wenn dort „Zulassung“ steht. So bleibt die Angabe mit dem Datenblatt vergleichbar, das Sie beim Hersteller finden.

 

Schallschutz – Geräuschgruppe und P-IX-Prüfzeichen

Findet sich bei einem Artikel die Angabe „schallschutzgeprüft, Gruppe I“, bezieht sich das auf das Geräuschverhalten der Armatur im eingebauten Zustand. Grundlage ist ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis (abP) einer vom Deutschen Institut für Bautechnik anerkannten Prüfstelle. Das zugehörige Prüfzeichen trägt die Kennung P-IX beziehungsweise PA-IX und ist bei vielen Armaturen direkt ins Gehäuse eingegossen.

Gemessen wird nach DIN EN ISO 3822 im Labor bei 0,3 MPa und 0,5 MPa Fließdruck. Aus dem ermittelten Armaturengeräuschpegel ergibt sich die Einstufung nach DIN 4109-1:

Armaturengruppe Armaturengeräuschpegel Typischer Einsatz
Gruppe I unter 20 dB(A) auch an Wänden zu schutzbedürftigen Räumen fremder Wohnungen
Gruppe II bis 30 dB(A) eingeschränkter Einbau, siehe Prüfzeugnis

„ohne Auflage“ bedeutet: Das Prüfzeugnis wurde ohne Verwendungsauflagen erteilt. Es gibt also keine zusätzliche Einbaubedingung – etwa eine begrenzte Durchflussklasse oder ein vorgeschriebenes Zusatzbauteil –, die eingehalten werden müsste, damit die Einstufung gilt.

Hinweis: Der Schallschutznachweis ist an eine Baugrößenspanne gebunden. Steht bei einem Artikel „schallschutzgeprüft bis 1¼ Zoll“, gilt die Einstufung für die größeren Baugrößen derselben Baureihe nicht automatisch mit.

 

KTW – Kunststoffe und Trinkwasser

KTW ist kein Prüfzeichen und keine Prüfstelle, sondern die Kurzbezeichnung einer Bewertungsgrundlage des Umweltbundesamtes: der „Bewertungsgrundlage für Kunststoffe und andere organische Materialien im Kontakt mit Trinkwasser“ (KTW-BWGL). Sie legt fest, welche Ausgangsstoffe verwendet werden dürfen und welche Grenzwerte einzuhalten sind.

Bewertet wird ausschließlich die hygienische Unbedenklichkeit des Werkstoffs:

  • Stoffübergang in das Wasser (Migration),
  • Auswirkung auf Geruch, Geschmack, Färbung und Trübung,
  • Förderung des Wachstums von Mikroorganismen.

Die Funktion des Bauteils ist ausdrücklich nicht Gegenstand dieser Bewertung.

Häufiges Missverständnis: KTW erfasst nur organische Werkstoffe – Kunststoffe, Elastomere, Beschichtungen und Schmierstoffe. Bei einem Druckminderer sind das zum Beispiel der Ventileinsatz, die Membran und die O-Ringe. Das Messinggehäuse fällt nicht unter KTW, sondern unter die metallspezifische Bewertungsgrundlage des Umweltbundesamtes.

Seit dem 21. März 2021 gilt die KTW-BWGL rechtsverbindlich. Sie hat die frühere, unverbindliche KTW-Leitlinie abgelöst; Prüfzeugnisse nach der alten Leitlinie sind nicht mehr gültig. Für Elastomere und thermoplastische Elastomere bestand eine gesonderte Übergangsregelung, die bis zum 1. Juli 2026 lief.

Verhältnis zur DVGW-Zertifizierung: Die KTW-Konformität ist ein Teilnachweis für die Werkstoffhygiene. Sie ersetzt keine DVGW-Zertifizierung – sie ist einer ihrer Bausteine.

 

WRAS – Water Regulations Approval Scheme (Großbritannien)

WRAS ist ein britisches Zertifizierungssystem. Ein WRAS Approval bestätigt, dass ein Produkt und seine wasserberührten Werkstoffe die Anforderungen von Regulation 4 der Water Supply (Water Fittings) Regulations 1999 erfüllen – im Kern die hygienische Eignung nichtmetallischer Werkstoffe nach BS 6920 sowie die Eignung für den bestimmungsgemäßen Einsatz.

Was das für Sie bedeutet: In Deutschland, Österreich und der Schweiz hat ein WRAS Approval keine rechtliche Wirkung. Für die Installation hierzulande ist die DVGW-Zertifizierung maßgeblich. Ein zusätzlich vorhandenes WRAS Approval zeigt lediglich, dass der Hersteller dasselbe Produkt auch für den britischen Markt hat prüfen lassen – ein Hinweis auf eine breit abgesicherte Werkstoffauswahl, mehr nicht. Wir nennen es nur, wenn der Hersteller es in seinen Unterlagen ausweist.

In Großbritannien ist WRAS heute nicht mehr der einzige Weg: Gesetzlich gefordert ist die Regulation-4-Konformität, die ebenso über die Zertifizierungsprogramme von KIWA (KUKreg4) oder NSF (REG4) nachgewiesen werden kann. WRAS ist historisch die bekannteste, aber eine von mehreren gleichrangig anerkannten Stellen.

 

SVGW – Zertifizierung für die Schweiz

Der SVGW (Schweizerischer Verein des Gas- und Wasserfaches) ist das schweizerische Pendant zum DVGW und betreibt eine eigene Produktzertifizierung für Trinkwasserarmaturen. Für eine Installation in der Schweiz ist die SVGW-Zertifizierung die dort übliche und von den Wasserversorgern erwartete Grundlage. Ob ein deutsches DVGW-Zertifikat im Einzelfall genügt, entscheidet der jeweilige Wasserversorger – bitte klären Sie das vor der Bestellung mit Ihrem Installateur oder dem örtlichen Versorger ab.

 

Was bedeutet es, wenn keine Zertifizierung angegeben ist?

Wenn wir bei einem Artikel ausdrücklich vermerken, dass keine DVGW-Zertifizierung vorliegt, ist das eine bewusste Transparenzangabe – kein Qualitätsurteil. Die Einordnung hängt vom Einsatzort ab:

  • Außerhalb der Trinkwasser-Installation, etwa im Heizkreis einer Heizungsanlage, ist eine DVGW-Zertifizierung für Trinkwasserarmaturen weder gefordert noch aussagekräftig.
  • Innerhalb der Trinkwasser-Installation muss der ausführende Fachbetrieb beurteilen, ob das Bauteil den anerkannten Regeln der Technik entspricht. Ohne Prüfzeichen einer anerkannten Prüfstelle ist dieser Nachweis aufwendiger zu führen und liegt in der Verantwortung des Installateurs.

Wir schreiben eine fehlende Zertifizierung deshalb ausdrücklich in die Artikelbeschreibung, statt sie unerwähnt zu lassen. So können Sie vor dem Kauf entscheiden, ob das Produkt zu Ihrem Einsatzfall passt.

 

Ausblick: neuer EU-Rahmen ab Ende 2026

Die nationalen Hygieneanforderungen an Materialien im Trinkwasserkontakt werden ab dem 31. Dezember 2026 durch einen einheitlichen EU-Rechtsrahmen nach Artikel 11 der Richtlinie (EU) 2020/2184 abgelöst. Ab diesem Zeitpunkt gelten europäische Positivlisten und ein EU-weit harmonisiertes Konformitätsbewertungsverfahren mit einheitlicher Kennzeichnung.

Für Produkte, für die am 31. Dezember 2026 eine gültige nationale Konformitätsbestätigung vorliegt, besteht eine Übergangsfrist bis zum 31. Dezember 2032. Bestehende, korrekt zertifizierte Armaturen bleiben also verwendbar. Wir passen die Angaben in unseren Artikelbeschreibungen an, sobald die Hersteller ihre Unterlagen umstellen.

Unsicher, welche Variante oder Baugröße Sie benötigen?

Senden Sie uns eine E-Mail an info (@) druckminderer-shop.de – mit Bildern Ihrer Einbausituation. Bitte fotografieren: komplette Armatur aus ca. 50 cm, Typenschild scharf und lesbar, Anschluss mit Verschraubung. Wir antworten schriftlich mit Artikelnummer.

Produktinformation. Für Auslegung, Einbau und Betrieb ist allein die Herstelleranleitung maßgeblich. Angaben zu Zertifizierungen geben den Stand der uns vorliegenden Herstellerunterlagen wieder. Unberührt bleibt die gesetzliche Haftung.

Stand: 11.08.2026